Oh Canada! Last Stop und Zeit für ein Fazit

Nach unserem tollen Roadtrip in den USA, kam unsere Reise nach Kanada genau recht. In Seattle konnten wir deutlich spüren, wie müde wir nach 3 Wochen Camping Roadtrip waren (und 5 Monate Reisen davor). Umso besser, dass wir in Kanada erstmal Zeit hatten durchzuatmen. Wir berichten hier nicht nur über unsere Zeit in Kanada, die wir zum Teil reisend, zum Teil bei Karlas ehemaliger Gastfamilie verbracht haben, sondern ganz unten findet ihr auch ein kleines Fazit über unsere Reise.

Karla hat hier viele Freunde und quasi Verwandte, da sie hier ein Jahr während ihrer Schulzeit gelebt hat. Als Meisterin des Kontaktes, ist sie mit vielen Freunden noch in regem Austausch und samt Anhang jederzeit Willkommen.  So fuhren wir also mit dem Bus von Seattle nach Vancouver und konnten zunächst einmal 5 Nächte bei Patrick übernachten, der uns sein tolles Gästezimmer überließ. Vancouver begrüßte uns zwar mit ziemlich regnerischem Wetter, nichtsdestotrotz haben wir die Tage genossen und uns entspannt. Jeden Tag heiß zu duschen war schon ein Spektakel, und wir haben die Beständigkeit unserer Umgebung genossen. Sightseeing ist etwas zu kurz gekommen, da wir noch viele alte Freunde von Karla, wie JM, Theresa und Peter getroffen haben und ihre Lieblingsplätze besuchen mussten. Hinzu kamen allerlei nette Abende mit irischem Humor.

Erfolgreich in Kanada eingegroovt, ging es anschließend bei bestem Sonnenschein weiter mit der Fähre nach Victoria auf Vancouver Island. Die nächste Woche verbrachten wir bei Karlas Gastfamilie, in einem Haus voller fröhlicher Menschen, wie früher. Die Gastgeschwister Ciara, JM und Deirdre sind zwar inzwischen aus dem Haus, kommen aber ständig vorbei und inzwischen sind 3 andere Gastcousinen, Katie, Katie88 und Lucy eingezogen. Fröhlich, freundlich, offen, chaotisch und voller Humor ist dieses Heim, so dass sich auch David sofort heimisch fühlen konnte. Egal was man unternimmt, und sei es nur mit dem Hund spazieren gehen, hat man immer eine Horde als Anhang – wunderbar! Wie es unsere minutiöse Reiseplanung wollte – Hust – Zufall, waren wir über das Thanksgiving-Wochenende dort, und konnten ein wunderschönes, traditionelles Thanksgiving Dinner, mit Truthahn, Lachs, und Pumpkin Pie erleben – Delicious! Wir waren 14 Leute, was in dieser Familie aber gar nicht so viel ist;-)

Gut genährt und erholt, machen wir uns auf zu einem erneuten Campingtrip und erkunden ‚Upisland‘, was alles auf Vancouver Island nördlich von Victoria bezeichnet. Wir sind 10 Tage mit Mietwagen und Zelt unterwegs und haben unverschämtes Glück mit dem Wetter. Normalerweise neigt Upisland zu sehr viel Regen im Herbst, wir hingegen haben nur strahlenden Sonnenschein bekommen – Schwein gehabt, denn sonst wäre es sicherlich recht fies in unserem Zelt geworden. Die Campingplätze waren der Jahreszeit entsprechend leer, nicht selten waren wir die einzigen Gäste, fast immer das einzige Zelt. Der Kälte haben wir mit vielen Kleidungsschichten getrotzt, der warme Schlafsack den wir uns in USA gegönnt hatten bekam seinen Stareinsatz und hielt uns nachts schön warm. Während der Abendstunden genossen wir täglich unser Lagerfeuer und probierten natürlich eines der kanadischen Nationalgerichte: S’mores – über dem Lagerfeuer geröstete Marshmallows zusammen mit Hersheys Schokolade gesandwicht zwischen Graham Crackern = eine schreckliche Sauerei.

Übrigens hatten wir extra unser ganzes Camping Equipment aus den USA mit nach Kanada gebracht. So mussten wir bei der Anreise aus den USA, neben unseren ursprünglichen handlichen zwei Rucksäcken mit 45 und 55 Litern, plötzlich noch eine vollgepackte 150 Liter Reisetasche und so manches extra Gebämsel außen an den Rucksäcken bis nach Victoria transportieren. War etwas abenteuerlich, hat sich aber gelohnt, und war dank der Fahrdienste von Karlas Freunden gar nicht so schlimm.

Wir haben die Westküste sowie den hohen Norden der Insel erkundet und dabei vieles gesehen und erlebt. Die Westküste zwischen den Dörfern Tofino und Ucluelet besticht mit der Schönheit von Long Beach (übrigens ein gefährliches Paradies für Surfer) und dem allgegenwärtigen Regenwald. Wir haben einige Trails bewandert. Besonders gut hat uns der Lehrpfad über den Lebenszyklus des Regenwaldes gefallen und das Frühstück auf dem Long Beach. Anschließend ging es Richtung Norden, über Sproat Lake (pfui hier war es kalt!) und Port Alberni (pfui hier gab es keinen Tim Hortons), nach Campbell River. Berühmt für die Lachswanderung, war der direkt am Fluss gelegene Campingplatz tatsächlich signifikant bevölkert. Man hätte aber auch wirklich nur zugreifen müssen, so viele Lachse wie dort den Fluss hochgeschwommen sind. Auch hier gab es schöne Wanderwege am Fluss entlang.

Nach einem Tag ging es weiter nach Port McNeill. Hier hatten wir den wohl schönsten Campingplatz den man finden kann. Direkt am Strand in Alder Bay, Seeadler überall in den Bäumen und super saubere Badezimmer. Und so blieben wir dann gleich 3 Tage. So konnte das Zelt aufgebaut bleiben und wir nutzen unsere Basis für Tagesreisen in die Umgebung, wie das idyllische Telegraph Cove, das nördliche Juwel Port Hardy und für eine Tagestour zur benachbarten Insel Cormorant Island, nach Alert Bay, wo der größte Totem Pole der Welt steht, eine Kunst der First Nations. Auf unserem Rückweg nach Victoria machten wir noch einen Tag Zwischenstopp auf Saltspring Island, einer Künstlerinsel. Ziemlich althippie aber mit vielen schönes Details die zum Entdecken einluden.

Alles in allem, haben wir die 10 Tage total genossen. Dabei standen weniger aufregende Highlights im Vordergrund, sondern mehr das Genießen der wirklich schönen Natur auf der ganzen Insel und der Austausch mit den sehr freundlichen Inselbewohnern. Außerdem bleibt zu bemerken, dass wir bei jeder Gelegenheit Pausen bei Tim Hortons eingelegt haben, inklusive leckerem Kaffee und einer Box Timbits versteht sich. Dies ist keine Werbung sondern Karlas Jugendschwärmerei, leider haben sich die Tim Hortons in abgelegenen Gegenden der Insel recht rar gemacht.

Zurück in Victoria haben wir die verbleibende Woche genutzt, alte Freunde zu treffen. Dabei sind besonders zu erwähnen: der Segeltörn mit Bärbel und Fred, und der Besuch des Goldstream Park mit Ciara, Toby, Mercedes und Hündin Cara, wo wir nicht nur noch mehr Lachse auf ihrer Wanderung bestaunen konnten, sondern sich auch ein Seeotter aus der Deckung gewagt hat – toll! Auch die recht steile Wanderung zur alte Eisenbahnbrücke war alle Mühe wert und wir hatten eine Menge Spaß.

Rechtzeitig vor Halloween war mit der Familienhorde Kürbisse schnitzen angesagt, und für die Gasteltern Mimi und John haben wir ein fesches Menü bereitet. Außerdem hat „unser Team“ noch die Worldseries im Baseball gewonnen – John hat David nämlich alles über Baseball beigebracht. Für Karla stand noch so einiges an Kaffees und Dinners auf dem Programm mit diversen Freunden, darunter Phil, Alison, Miss Taft, David und Wesley, und sie wünschte nur sie hätte viel mehr Zeit für alle!! Immerhin hat sie gaaanz viel von Ciara gehabt und das ist das wichtigste! Nicht zu vergessen ist Ciaras und Karlas Backaktion der legendären und weltberühmten Chocolate Chip Cookies (Geheimrezept) und Mimis rekordverdächtige Scones!

Morgen fliegen wir zurück nach Deutschland, und das halbe Jahr Weltreise ist vorbei. Wie wir uns fühlen? Sehr traurig, dass diese großartige Reise nun zu Ende ist. Im Gepäck haben wir trotzdem eine große Freude unsere Freunde und Familie wieder sehen zu können und jetzt heißt es wohl erstmal wieder einleben.

Wahrscheinlich ist dies erstmal unser letzter Reiseblogeintrag. Ohne den Anspruch auf Vollständigkeit fragen wir uns: was haben wir gelernt?

1. Es lohnt sich sehr rigoros seine Fotos zu löschen, so kommt man nämlich statt mit 12.000 Fotos, nur mit 2.700 zurück und davon gerade mal 199 im Highlightordner (#echteZahlen, #echtstolz)

2. Ein halbes Jahr ist nicht viel Zeit. Wenn man 80 Jahre alt wird hat man 160 halbe Jahre. Wir haben so viel tolles in diesem halben Jahr erlebt, es kommt einem vor als wäre man 5 Jahre unterwegs gewesen. Das finden wir immer noch ziemlich beeindruckend und können nur jedem wünschen, sich wenigstens einmal im Leben ein halbes Jahr Freiheit zu gönnen – egal auf welche Art.

3. Heiße, tägliche Duschen sind ein unfassbares Geschenk. Sauberes Trinkwasser auch. Weiß zwar jeder, aber fühlt sich aber anders an, wenn man es einmal knapp erlebt hat.

4. Wir Deutschen sind oftmals chronisch und grundlos unzufrieden, wir versuchen das besser zu machen.

5. Thailand hat das beste Essen, die Australier sind die nettesten Menschen, Fidschi hat die tollsten Strände, Amerika hat die besten Nationalparks und wir müssen häufiger nach Kanada fliegen.

6. Man findet immer einen Platz zum Schlafen.

7. Es gibt wichtigeres im Leben als …

8. No worries, be happy!

Wir sagen erstmal Tschüss und liebe Grüße an unsere treuen Leser!

3 Kommentare zu “Oh Canada! Last Stop und Zeit für ein Fazit

  1. Ulla König-Loida

    Es war ein riesengroßes Vergnügen euch zu folgen. Ein ebenso riesengroßes Danke für eure launigen Texte und wunderschönen Fotos! Das habt ihr alles richtig gut gemacht !
    Jetzt freut sich die Heimat auf euch- auch riesig!

  2. Petra

    Hallo ihr beiden! Was eine tolle Zeit….und wer wollte, durfte ein bisschen mit euch reisen. Gaaaanz herzlich DANKE für eure tollen Berichte und natürlich die unglaublichen Fotos… und natürlich ♥️lich Willkommen in der Heimat! …. genau richtig zu Spinat und Uhles und Weihnachtsplätzchen ! Ganz liebe Grüße aus Hönningen

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