Fidschi – Woche 2 – Miniparadies Wayasewa

Nach unserer Zeit auf Nanuya Lailai hüpfen wir wieder auf den Yasawa Flyer gen Süden und steuern Wayasewa an, eine der südlichen Yasawainseln. Hier bleiben wir wieder für 6 Tage in einem Homestay. Diesmal ist es richtig persönlich und wir lieben es. Die Familie von Wais und Ele sind sehr herzliche Gastgeber auch wenn wir total den Überblick verloren haben bei den ganzen Kindern, Tanten, Geschwistern, Cousins die ständig aus und ein gehen. Vor allem mit Tante Rachel verbringen wir viel Zeit und sie erzählt uns viel über Traditionen.

Wir wohnen in einem Zelt, dass sie direkt vor dem Haus aufgestellt haben und können das Badezimmer der Familie im Haus benutzen. Außerdem werden wir mit drei köstlichen und abwechslungsreichen Mahlzeiten pro Tag versorgt. Ele kocht gut und backt fast jeden Morgen etwas neues zum Frühstück. Unser Favorit ist natürlich frischer Fisch direkt aus dem Ozean mit Cassavawurzeln aus dem Garten. Wir zahlen hier weniger als die Hälfte als auf Nanuya Lailai und finden es wesentlich besser, hier stimmt die Preis-Leistung. Und wir lieben unser Zelt: einfach aber sauber.

Unser Zelt steht zwar direkt neben dem Haus, aber damit auch quasi auf dem Dorfplatz. Mit wenig Schlaf muss man schon auskommen, denn ab vier Uhr morgens ist hier Remmidemmi. Dann fangen nämlich an die Hähne, die Gebetstrommel, manchmal der Gottensdienst (ja, mitten in der Nacht!) und die spielenden, kreischenden Kinder (davon gibt es übrigens sehr viele) miteinander zu konkurrieren. Wir gehen einfach jeden Tag um spätestens 21 Uhr schlafen, dann geht hier eh nichts mehr, und man kriegt genug Schlaf. Aber auch das gehört eben zum echten Fidschierlebnis, genauso wie die Eimerdusche im Bad, von fließend Wasser kann hier nur geträumt werden. Dafür gibt es den ganzen Tag Solarstrom zum Handys laden, da kommt zwar nicht viel Saft, aber immerhin. Dafür gibt es kaum Netz, also braucht man eigentlich auch kein Smartphone.

Auch ansonsten ist hier alles sehr einfach und die Familie hat wenig Geld. Die Trinkwassersituation ist hier leider ein wenig angeschlagen. Die ersten drei Tage gibt es Regenwasser aus einem großen Tank mit Wasserhahn, ungefiltert, aber offenbar in Ordnung. Wir testen ein Glas am ersten Abend, unser Magen stimmt zu und wir trinken es eifrig weiter. Die Familie ist etwas überrascht, offenbar wollen anderen Touristen es nicht trinken. Nach drei Tagen ist der Tank alle. Jetzt kommt das Trinkwasser aus einer großen Tonne (Brunnenwasser), wo jeder einfach seine Tasse reinsteckt um Wasser abzuschöpfen. Hiermit ergeht es uns weniger gut. Die Tonne wird zwar gegen Fliegen mit einem Tuch abgedeckt aber offenbar ist die ganze Geschichte hygienisch nicht so ganz einwandfrei. Zumindest beschwert sich Karlas Magen deutlich. Na ja, für Karla gibt es jetzt einfach mehr Tee statt Wasser, auch gut. Leider ist hier auch das Zähneputzen noch nicht angekommen und schon den Jugendlichen fehlen oftmals Zähne.

Das Dorf hat uns voll und ganz für sich gewonnen. Jeder grüßt und ist super freundlich. Wir haben das Gefühl, das ganze Dorf will uns ein toller Gastgeber sein und nicht nur die Familie. Am Sonntag gehen wir mit in die Kirche, wir sind explizit Willkommen und werden auf Englisch begrüßt obwohl der Gottesdienst eigentlich auf Fidschi ist. Außerdem bedankt sich der Pastor am Ende nochmal persönlich, dass wir gekommen sind. Da wird einem ganz warm ums Herz bei so viel Herzlichkeit. Der Gottesdienst dauert über 2 Stunden und wir sind völlig fasziniert. Wir verstehen zwar nichts, aber alles geht sehr freundlich und zugewandt zu. Der Pastor scheint mehr Stories zu erzählen als zu predigen. Und es wird gesungen was das Zeug hält: alles a capella aber Instrumente wären hier auch völlig überflüssig. Die Einheimischen singen alle aus voller Lunge, so dass die ganze Kirche vibriert und sogar mehrstimmig, atemberaubend.

Zum Dorf gehört ein Strand, der schön ist, es aber natürlich überhaupt nicht mit der Blue Lagoon der ersten Woche aufnehmen kann. Leider nerven hier auch ziemlich die wilden Hunde, also leider eher weniger Reisekatalog-Feeling, so dass wir mehr Zeit in der Hängematte im Dorf verbringen.

Landschaftlich ist Wayasewa aber um einiges spektakulärer als Nanuya Lailai. Wir chartern den Nachbarn als Wanderführer und erklimmen den sogenannten Gorillafelsen. Er heißt so, weil er von einer Seite wie ein Gorillakopf aussieht. Die Wanderung ist zum Teil ziemliche Kletterei, aber ingesamt recht einfach und man ist schnell oben. Der Ausblick ist spektakulär!

Am letzten Tag gehen wir noch auf Schnorcheltour mit Riffhaien, denn auch das gehört zum Fidschierlebnis. Wir hüpfen mit ein paar Dorfbewohnern ins Boot und auf geht’s. Auf halbem Weg zum Riff schmeißen wir zwei Dorfbewohner samt Harpunen zum Fischen ab. Wir werden sie auf dem Rückweg (samt harpuniertem Fisch) wieder einsammeln aber erstmal besorgen sie uns einen kleinen Fisch um die Haie anzulocken. Weiter geht’s zu einem besonders guten Riff für Haie. Ab ins Wasser und schon sichten wir die ersten Exemplare. Die Dorfbewohner locken die Haie mit dem Fisch weiter an, das wäre aber überhaupt nicht nötig gewesen, denn die sind eh überall. Immerhin wird kein kommerzielles Fischfutter ins Wasser geworfen, trotzdem sind wir nicht so ein Fan davon. Was uns gar nicht gefällt ist, dass sich die Fidschianer an den Haiflossen festhalten, sich ziehen lassen und die Haie damit ordentlich ärgern. Unsere Meinung nach muss das nicht sein und man sollte die Tiere lieber in Frieden lassen. Wie auch immer, es ist schon respekteinflößend und irgendwie abgefahren wenn man von einem Hai gestreift wird, auch wenn die Riffhaie nur 3m groß werden und im Allgemeinen recht wenig gefährlich sind. Es ist schön diese anmutigen Tiere zu beobachten und außerdem ist die Sicht heute absolut bombastisch. Dieses Südsee Wasserwunder werden wir so schnell nicht vergessen.

Wir sind ganz schön traurig wieder abzureisen. Ele und ihre Familie werden wir vermissen, wir wären gerne viel viel länger geblieben.

Über unsere zwei Wochen Fidschi können wir zusammenfassend sagen: ja, die Reisekatalog Romantik gibt es hier, aber das echte Leben geht eher weniger paradiesisch zu: Geld, Ressourcen, Hygiene und medizinische Versorgung sind hier auch heute noch leider Mangelware. In den Resorts gibt es absurderweise alles im Überfluss, aber für die Bevölkerung gilt das leider nicht. Die Fidschianer sind trotzdem ein einzigartig herzliches, glückliches und gastfreundliches Volk und das Leben mitten unter ihnen war ein ganz besonderes Erlebnis! Vinaka!

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